Waldkonferenz ohne Jagd!

von ÖJV-NRW (Kommentare: 0)

Kommentar zur Waldkonferenz

Die „Waldkonferenz“ des Umweltministeriums NRW (MUNLV), die am 11.11. in Düsseldorf stattfand, entpuppte sich als Mogelpackung. Der Ankündigung, das Thema mit den zahlreich anwesenden Expertinnen und Experten sowie Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren, folgte eine PR-Veranstaltung ohne jede Gelegenheit für das Publikum, sich einzubringen. Jede Interaktion mit den Anwesenden – mithin ein wesentliches Merkmal einer „Konferenz“ wurde ausgeschlossen.  

Da Fragen, Kritik oder Kommentare zu den Referaten nicht vorgesehen waren, konnten via Großleinwand falsche Aussagen getätigt werden wie „80% der Wälder in NRW sind naturnah oder bedingt naturnah“ (Prof. Bitter), ohne dass dies hätte korrigiert werden können. Auch mit dem dramatischen Rückgang der Insekten in Wäldern, der jüngst von der TU München nachgewiesen wurde, mussten sich die „Konferenzteilnehmer“ daher nicht ernsthaft auseinandersetzen.

Das bemerkenswerteste an der „Konferenz“ allerdings war, dass es der Veranstalter geschafft hat, das Thema Jagd – bis auf eine einzige Frage der Moderatorin in der Diskussionsrunde der Politiker - komplett aus dem Programm heraus zu halten! Das Thema Jagd bei der Diskussion um die Walderneuerung auszusparen ist, als wolle man ein Feuer löschen ohne mit der Feuerwehr zu sprechen. Was absolut verantwortungslos ist!

Ohne eine entsprechend veränderte, zielgerichtete und konsequente Jagd, die mit der konventionellen und traditionellen Jagd nicht viel gemein hat, wird es keinen Waldumbau und klimastabilen Wald geben. Die Jagd ist die entscheidende Stellschraube, an der massiv gedreht werden muss, um die erwünschte, mit vielen Millionen geförderte Waldverjüngung zu schützen!

Dabei wird sich die Jagd sehr stark verändern müssen. Was die Funktionäre der Hegejagd wiederum unbedingt verhindern wollen. Und es schaffen, dass ein essentieller Baustein des Waldumbaus, die Jagd, in einer sogenannten Konferenz zur Zukunft des Waldes komplett verschwiegen wird!

Der Ökologische Jagdverband NRW appelliert daher dringend an das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW, das Thema zeitgemäße Jagd nicht länger zu verschweigen, sondern sich der Tatsache zu stellen, dass es ohne eine veränderte Jagd keinen klimastabilen Wald geben wird. Oder Farbe bekennen: Wenn man weiterhin die Hegejagd bzw. eine kleine Gruppe traditioneller Jäger protegiert (wie mit der Rückabwicklung des „Ökologischen Jagdgesetzes“ geschehen), müssen künftig wieder Wildschutzzäune errichtet werden, um den Jungwuchs zu schützen. Und das wird noch viel mehr kosten. Und viel Müll im Wald hinterlassen.  

Der ÖJV NRW fordert von der Jagd und Forstpolitik in NRW daher: 

  • Finanzielle Förderung einer waldfreundlichen Jagd in zielorientiert bejagten Revieren: Drückjagdstände, Geeignete Jagdhunde (Schutzwesten) etc.
  • Ökologisches Forstpersonal erheblich aufstocken: Der Wald braucht insgesamt mehr und einen höheren Anteil ökologisch denkender und handelnder Förster! Ein Revier naturnah zu bewirtschaften beinhaltet einen arbeits- und zeitintensiven Jagdbetrieb. Ein Förster, der seinen Dauerwald optimal betreuen, d.h. dauernd pflegen, ernten und jagen soll, kann das in einem Revier von 500ha bis maximal 1000ha Größe.
  • Der Wald braucht keine Millionen neuer Forstpflanzen! Lediglich für die Holzwirtschaft Douglasien und Weißtannen auf jetzigen Kalamitätsflächen in Mischung mit heimischem Laubholz etablieren.
  • Keine Subventionierung von Forstpflanzen, die alsbald aufgefressen würden! Fördergelder daher nur dort, wo die Investition Sinn macht, d.h. nur dort, wo geringer Verbissdruck nachgewiesen wurde! Ansonsten muss der Eigentümer auf eigene Kosten Schutzzäune um geförderte Anpflanzungen errichten!
  • "Experimente" mit fremden Nadelholzarten sollten nur auf ehemaligen Fichtenmonokultur- Flächen gemacht werden. Aus ökologischen Gründen jedoch nicht in noch bestehenden, naturnahen Laubmischwäldern.
  • Fichtenholz im Wald belassen! Die sehr geringen Einnahmen aus der Vermarktung wiegen die positiven Effekte der Belassung der Bäume im Wald nicht auf: Humus-/ Bodenbildung, Beschattung, Mikroklima, natürliche „Schutzgatter“ gegen Verbiss und damit „Starthilfe“ für Naturverjüngung!
  • Neuausrichtung des Wildschadenersatzverfahrens im Rahmen des Waldbaukonzeptes – insbesondere die Anpassung der „geeigneten Holzarten“ §33LJG-NRW mit den im Waldbaukonzept propagierten Arten.
  • Modifizierung des Verbissgutachtens des Landesbetriebs Wald und Holz: die Entmischung als zentrales ökologisches Problem muss endlich verbindlich festgestellt werden!
  • Anpassung der Jungjägerausbildung: die effektive Schalenwildregulierung muss zentraler Ausbildungsschwerpunkt werden - nicht mehr Wildbewirtschaftung, Trophäenjagd und Hege des Schalenwilds.

Erarbeitung eines Landes-Jagdkonzeptes durch Fachleute (analog zu Biodiversitätsstrategien, Waldbaukonzepten) zur zwingend notwendigen Anpassung der Jagd an die erheblich gestiegenen Anforderungen an die Jäger/innen. In dem Konzept werden Probleme und die Lösungswege aus der „Jagdkrise“ aufgezeigt.

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